Methylenblau und Inkubation: Fischeier schützen
Die Zucht eierlegender Fische (Diskus, Skalare, Panzerwelse, Killifische) stößt oft auf ein wesentliches Hindernis: die Verpilzung der Eier. Ein unbefruchtetes Ei wird weiß und entwickelt sich rasch zum Herd eines Pilzes (häufig der Gattung Saprolegnia), der durch Kontakt die benachbarten gesunden Eier befällt und bisweilen das gesamte Gelege binnen 24 Stunden zerstört. Methylenblau ist die wirksamste Waffe des Züchters gegen diese Plage.
Warum verpilzen die Eier?
In der Natur reinigen die Elterntiere oft die Eier, oder die Wasserströmung genügt, um sie mit Sauerstoff zu versorgen und die Sporen wegzuspülen. Im Aquarium ist die Dichte an Pilzsporen höher. Stirbt ein Ei ab (unbefruchtet oder beschädigt), so zersetzt sich seine Schutzhülle und bietet einen idealen Nährboden für die im Wasser lebenden Pilze. Diese Pilze bilden einen charakteristischen weißen Flaum, der sich rasch ausbreitet.
Methylenblau wirkt als starkes Antimykotikum, das die Keimung dieser Sporen hemmt, ohne (in der Regel) die Hülle (Chorion) des gesunden und lebenden Eies zu durchdringen.
Protokoll zur künstlichen Inkubation
Dies ist die sicherste Methode, um die Schlupfrate zu maximieren. Sie besteht darin, die Eier aus dem Gemeinschaftsbecken zu entnehmen und in ein eigenes Gefäß zu setzen.
Ausrüstung
- Kleines Becken oder Inkubationsgefäß (1 bis 5 Liter).
- Luftausströmer (Sprudler), um kräftig mit Sauerstoff anzureichern.
- Heizung (falls je nach Art erforderlich).
- Methylenblau-Lösung (siehe Herstellung von Lösungen).
Die Dosierung „Tiefblau“
Für die Eier verwendet man oft eine höhere Konzentration als jene, die von ausgewachsenen, schwimmenden Fischen vertragen wird, denn die Eihülle bietet einen vorübergehenden Schutz.
- Das Becken befüllen mit Wasser aus dem Herkunftsbecken (dieselben physikalisch-chemischen Parameter).
- Das Blau zugeben: Streben Sie eine sehr kräftige Blaufärbung an, bei der man den Boden des Gefäßes kaum noch erkennt.
- Richtwert für die Dosierung: etwa 2 bis 3 mg/L (also rund 3 bis 5 Tropfen einer 2–5%igen Lösung pro Liter Wasser). Das Wasser muss deutlich blau sein, nicht bloß bläulich.
- Die Eier einsetzen (auf ihrem Laichsubstrat, Blatt oder Mop).
- Belüften: den Sprudler in unmittelbarer Nähe der Eier platzieren, um eine ständige Strömung zu erzeugen.
Beobachtung und Schlupf
- Die weißen Eier: Trotz des Blaus bleiben die unbefruchteten Eier undurchsichtig weiß oder nehmen das Blau an (ein Zeichen, dass sie abgestorben und durchlässig sind). Die gesunden Eier bleiben durchscheinend oder bernsteinfarben.
- Sobald der Schlupf einsetzt: Dies ist der kritische Augenblick. Die Larven (Jungfische mit Dottersack) sind weit empfindlicher gegenüber Chemikalien als die Eier.
- Sofortmaßnahme: Sobald die Schwänzchen zappeln, führen Sie massive Wasserwechsel (50 % bis 80 %) mit frischem Wasser gleicher Temperatur durch, um das Blau zu verdünnen. Ziel ist es, das Mittel zu entfernen, bevor die Jungfische frei zu schwimmen und aktiv über ihre Kiemen zu atmen beginnen.
Inkubation im Gemeinschaftsbecken: ist das möglich?
Ein ganzes Becken (100 L, 200 L) nur zum Schutz eines Geleges zu behandeln, ist nicht zu empfehlen.
- Der biologische Filter: Methylenblau greift die nützlichen Bakterien des Filters an (siehe Filterung).
- Die Pflanzen: Sie könnten unter der verminderten Lichtmenge und der chemischen Einwirkung leiden.
- Kosten und Reinigung: 200 Liter Wasser für ein paar Eier einzufärben, ist ineffizient und färbt die Silikonfugen.
Wenn Sie die Eier nicht umsetzen können, isolieren Sie sie in einem „Netz-Ablaichkasten“ oder einem Trennkasten aus Kunststoff im Becken; die Wirksamkeit der örtlichen Behandlung ist jedoch nahezu null, da sich das Blau augenblicklich im Hauptvolumen verdünnt.
Risiken und Gegenanzeigen
- Empfindliche Arten: Manche schuppenlosen oder sehr empfindlichen Fische (wie einige wilde Corydoras oder Loricariidae) können selbst im Eistadium empfindlich auf das Blau reagieren. Reduzieren Sie in diesem Fall die Dosis um die Hälfte oder verwenden Sie Catappa-Blätter (natürliche Gerbstoffe) als sanfte Alternative.
- Überdosierung nach dem Schlupf: Schwimmen die Jungfische zu lange in einer zu stark konzentrierten Lösung, können sie unter Atemnot oder Kiemenschäden leiden. Die Verdünnung nach dem Schlupf ist zwingend erforderlich.
Mehr über die zu vermeidenden Fehler erfahren Sie auf unserer Seite zu den häufigen Fehlern in der Aquaristik.